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31.08.10 neu

Vorwort zum Buch: "Höhe 554"

Die Kämpfe an der Ersten Westwall-Linie im Bereich Roetgen-Lammersdorf und um die Paustenbacher Höhe 554.

 

In den letzten Jahren sind zahlreiche Publikationen erschienen, die sich mit den Kampfhandlungen des Zweiten Weltkriegs auseinandersetzen. Dabei rücken die Schlachten zwischen Amerikanern und Deutschen am „Westwall“ und im „Hürtgenwald“ immer wieder ins Blickfeld. In meinem ersten Buch zur Geschichte des Monschauer Landes mit dem Titel „Rette sich – wer kann“ habe ich sowohl einige Schicksale der im Herbst und Winter 1944/45 in Lammersdorf verbliebenen Einwohner als auch die Probleme von evakuierten Lammersdorfern sowie die Erlebnisse mehrerer aktiver Kriegsteilnehmer dargestellt.
Das hier vorliegende Buch „Höhe 554“ - so benannt nach den Höhenmetern des Hügels zwischen Lammersdorf und Simmerath - befaßt sich vorrangig mit dem militärischen Geschehen im Raum Roetgen – Lammersdorf - Paustenbach. Wegen der Komplexität des Themas müssen die Ausführungen auf die Ereignisse an der „Ersten Westwall-Linie“ südlich von Aachen eingegrenzt werden (die Amerikaner bezeichneten die erste Linie als „Scharnhorstlinie“ und die zweite als „Schill-Linie“). Andere Ortschaften und Regionen sowie die Ereignisse an der „Schill-Linie“ werden in diesem Buch nur situativ erwähnt. Die Beschreibungen militärischer Operationen beziehen sich vorwiegend auf die Aktivitäten der 9. US-Infanteriedivision und der deutschen 89. Infanteriedivision. Aufgrund der veröffentlichten Interviews, die der erst kürzlich im Alter von 94 Jahren verstorbene US-Diplomat Fred L. Hadsel (damals 2nd Lt. beim 2. Trupp des „Information an Historical Service“ der 1. US-Armee) im November 1944 mit dem Bataillonskommandeur Lt. Colonel R. H. Stumpf und dem Kompaniechef der I-Kompanie/39. US-Infanterieregiment, Captain A. V. Danna führte, standen zwei authentische amerikanische Quellen über die Besetzung Lammersdorfs und die Kämpfe am Paustenbacher Berg zur Verfügung.1) Die Berichte umfassen den Zeitraum vom 13. September bis Anfang Oktober 1944. Unverzichtbar und grundlegend waren auch die schriftlichen Darlegungen von Charles B. MacDonald, in der wertvolle Hinweise auf die Vorgehensweise der Amerikaner in  Roetgen und Lammersdorf gegeben werden. Als weitere bedeutsame Informationsquellen dienten u.a. Walter Scheiblers Buch „Zwischen zwei Fronten“, das Werk „Hölle im Hürtgenwald“ von Dr. Adolf Hohenstein/Wolfgang Trees sowie die von Rainer Monnartz veröffentlichten Daten zu den Kämpfen im Hürtgenwald. Die persönlichen Aufzeichnungen des Lammersdorfer Bäckermeisters Andreas Lauscher lassen erkennen, wie erschreckend grausam der Krieg und die Besetzung der Ortschaft Lammersdorf für die Zivilisten in Lammersdorf gewesen sein müssen.
1a) 
Das hier vorliegende Buch stellt neben der Darstellung gesicherter Daten und Ereignisse den Rekonstruktionsversuch der Kämpfe an der ersten Linie des Westwalls („Vorstellung Aachen“ oder „Erste Stellung Aachen“) im Abschnitt Roetgen – Lammersdorf - Paustenbach dar. Bei der Auffindung der Bunker und Stellungen südlich und östlich von Lammersdorf kamen mir meine Ortskenntnisse, die ich mir während meiner Kinder- und Jugendzeit erwerben konnte, sehr zugute. Der Westwall und die „Drachenzähne“ gehörten in den Nachkriegsjahren zu den beliebtesten Abenteuerspielplätzen meiner Generation und die Erinnerungen an die kalten Betonbunker, in deren Umgebung häufig noch „hochinteressante“ Relikte wie Gewehre, Munition, Stahlhelme und Gasmasken zu finden waren, sind mir allzeit (und mit einem leichten Schaudern) gegenwärtig.

Ich bin mir bewußt, daß der überwiegende Teil meiner Ausführungen die amerikanische Sichtweise darstellt. Trotz intensiver Nachforschungen lagen mir bis zur Fertigstellung des Manuskripts keine Kriegstagebücher o. ä. von deutscher Seite vor, die über die Kampfhandlungen im Raum Roetgen - Lammersdorf - Paustenbach detaillierte Auskünfte geben konnten. Da auch in der vorhandenen Fachliteratur derartige Unterlagen unerwähnt bleiben, muß ich davon ausgehen, daß die Materialien (falls sie überhaupt vorhanden waren) durch die Kriegsereignisse verloren gingen oder vernichtet wurden.2)  Die von mir verwandten schriftlichen Aufzeichnungen werden durch die Schilderungen von Menschen, die das Geschehen „vor Ort“ miterlebt haben, gestützt. Ihre Aussagen sind gleichermaßen bedeutsam und mehr noch – sie ergänzen, bestätigen und festigen durch genaue Angaben und eigene Erlebnisse die Fachkenntnisse vieler Militärhistoriker. So wurde z. B. der wegen einer Schußverletzung vorzeitig aus dem Kriegsdienst nach Hause entlassene Lammersdorfer Richard Wilden, damals 23 Jahre alt, zu einem wichtigen Augenzeugen des Geschehens in Lammersdorf und am Paustenbacher Berg. Der gelernte Maschinenschlosser wohnte die ganze Zeit in seinem Elternhaus in der Krämerstraße, das sich genau gegenüber der „Höhe 554“ befindet. In zahllosen Gesprächen in den 1980er und 1990er Jahren trug er mir die Ereignisse vor, die sich, von seinem Garten aus gesehen, wie auf einem Präsentierteller abspielten.
Auch der damals 15jährige Bruno Läufer  hielt sich während des gesamten Berichtszeitraums in Lammersdorf auf. Seine Erinnerungen an die Zeit der Kämpfe und Belagerung waren äußerst präzise und gaben detailliert die Lage in Lammersdorf und am Paustenbacher Berg wieder. Sein Elternhaus, in dem er und seine Familie sechs lange Monate ausharrten und in dem seine Schwester durch einen Granatsplitter schwer verletzt wurde, liegt in der Bergstraße, von wo aus er die Vorgänge im Tal und auf den Höhen genau beobachten konnte.

                                                            * * *                                                                

Lammersdorf (ca. 550 Meter ü. NN), ist heute ein Ortsteil der Gemeinde Simmerath in der Städteregion Aachen. Der Ort grenzt nach Westen hin unmittelbar an belgisches Hoheitsgebiet und an die Ausläufer des Moorgebiets „Hohes Venn“. Östlich bzw. südöstlich befinden sich die im Zweiten Weltkrieg stark umkämpften und größtenteils zerstörten Nachbardörfer Rollesbroich, Strauch, Steckenborn, Kesternich und Schmidt sowie die Rursee-Dörfer Woffelsbach, Rurberg, Einruhr und Erkensruhr. Etwa südlich von Lammersdorf liegen Witzerath, Paustenbach, Bickerath, Simmerath, Eicherscheid, Huppenbroich, Hammer und Dedenborn. Südwestlich reihen sich die Ortschaften Konzen, Imgenbroich, Monschau, Rohren, Mützenich und Kalterherberg an der Westgrenze Deutschlands auf.  Nach Norden hin ist Lammersdorf durch die B 399 direkt mit Zweifall und dem ehemaligen Kampfgebiet „Hürtgenwald“ verbunden. Etwa nordwestlich liegen Roetgen, Rott und Mulartshütte. Alle genannten Ortschaften gehörten 1944 zum sog. „Monschauer Land“ (Landkreis Monschau im Reg. Bez. Aachen).                                              
Wer sich für die Geschehnisse am Westwall interessiert, wird sicher auch wissen wollen, auf welche Weise die Amerikaner an die Westgrenze des Deutschen Reiches gelangt sind. Aus diesem Grund werden im ersten Abschnitt dieses Buches die Landung der alliierten Streitkräfte an der Küste der Normandie und der weitere Vormarsch in groben Zügen aufgezeigt. Vor der Invasion am 6. Juni 1944 ging die alliierte Kriegsführung davon aus, daß die deutsche Grenze nicht vor Anfang Mai 1945 zu erreichen sei. Doch es kam bekanntlich anders. Aufgrund der hohen Material- und Personalüberlegenheit der Amerikaner wurden die deutschen Truppen immer stärker dezimiert und rascher zurückgedrängt - viel schneller, als die Amerikaner dies für möglich hielten. Dies wiederum stellte die US-Armeen zum Zeitpunkt des Erreichens der Reichsgrenze vor enorme logistische Probleme. Da die Versorgung noch immer über die künstlich angelegten Häfen vor der Normandieküste erfolgen mußte, wurden die Versorgungswege immer länger und komplizierter. Als die Amerikaner am 12. September 1944 vor der Stadt Aachen und dem Westwall standen, waren ihre Reserven ziemlich aufgebraucht. Zudem reichte das Kräftepotenzial vieler amerikanischer Soldaten, die größtenteils schon über drei Monate in Kampfhandlungen mit den Deutschen verwickelt waren, kaum noch für einen massiven Sturm auf den (vermuteten) waffenstarrenden Westwall aus. Unzweifelhaft waren die Amerikaner äußerst schlecht über die wahre Situation am Westwall informiert. Aufgrund der  aufgebauschten NS-Propaganda wurde die deutsche Wehrfähigkeit zu diesem Zeitpunkt völlig überschätzt. Tatsächlich standen am 12. September 1944 auf deutscher Seite nur mäßig ausgerüstete und kaum ausgebildete Sicherheitseinheiten des Heimat- und Ersatzheeres sowie Reste der zerschlagenen und aus Frankreich und Belgien geflüchteten Divisionen zur Verfügung.
Aufgrund der Fehleinschätzung der deutschen Lage  ließ der Kommandierende General des VII. US-Armeecorps, Major General Lawton Collins, in Absprache mit dem nordwestlich stehenden XIX. US-Corps (Major General Charles H. Corlett) seine Pläne, Aachen direkt anzugreifen, fallen. Stattdessen beabsichtigte er, die Stadt in einem Zangengriff zu umgehen und dann einzukesseln. Zugleich plante er etwas südlicher einen Vorstoß in Richtung Rhein. Er vertraute darauf, daß die dringend benötigten Reserven kurzfristig im Grenzgebiet eintreffen würden.
Demgegenüber wurde auf deutscher Seite mit einem unverzüglichen Angriff  auf die Stadt Aachen und mit einem Durchstoß in Richtung Rhein gerechnet. Das zögerliche Verhalten der Amerikaner erlaubte es dem hinter den Westwall geflüchteten deutschen Westheer, sich neu zu formieren und Verstärkungen heranzuführen.
Dem vor der Reichsgrenze stehenden VII. US-Corps waren die 1. US-Infanteriedivision „Große Rote 1“ (Major General Clarence R. Huebner) und die 9. US-Infanteriedivision (Major General Louis A. Craig) zugeordnet. Während die 1. US-Infanteriedivision für den engeren Aachener Raum zuständig war, oblag der Bereich Aachen-Süd der 9. US-Infanteriedivision. Diese bestand aus dem 39. US-Infanterieregiment (Lt. Colonel Van Hugo Bond), dem 47. US-Infanterieregiment (Colonel George W. Smythe) und dem 60. US-Infanterieregiment (Colonel Jesse L. Gibney). Die ebenfalls zum VII. Corps gehörige 3. US-Panzerdivision „Spearhead“ (Brigadier General Maurice Rose) erhielt den Befehl, als erste Einheit südlich von Stolberg nach Osten vorzustoßen.
3)  Das 47. US-Infanterieregiment wurde mit der Sicherung der rechten Flanke der 3. US-Panzerdivision beauftragt. Das 39. US-Infanterieregiment sollte wiederum weiter südlich die Flanke des 47. US-Infanterieregiments und das 60. noch südlicher die Flanke des 39. US-Infanterieregiments schützen.
Durch diese gegenseitigen Deckungen sollte der Vormarsch gesichert werden. Das 39. US-Infanterieregiment erhielt den Befehl, von Eupen aus auf den gut ausgebauten Straßen über Mützenich – Konzen (R 258) – Fringshaus nach Lammersdorf und von dort weiter über die Reichsstraße 399 nach Germeter – Hürtgen – Kleinhau – Gey – Birgel – Düren vorzugehen,
um sich schließlich mit dem 47. US-Infanterieregiment im Raum Düren zu vereinigen.

Diese Route, auf der Lammersdorf als „Zentralort“ lag, wurde zu dieser Zeit von den Amerikanern und 1953 von führenden US-Militärhistorikern als „Lammersdorf-Korridor“ bezeichnet.4)
Das 47. US-Infanterieregiment sollte (ebenfalls aus dem Raum Eupen kommend) über Roetgen – Rott – Mulartshütte – Zweifall – Vicht – Mausbach – Gressenich – Schevenhütte in Richtung Düren vorgehen.
Das 60. US-Infanterieregiment, das den äußeren rechten Flügel des VII. Corps bildete, sollte über Mützenich nach Monschau und Höfen sowie von Sourbrodt - Elsenborn aus nach Kalterherberg vordringen.

In der Zeit vom 13. bis 22. September 1944 kam es zur sog. „Ersten Aachen-Schlacht“. Anders als geplant  wurde der Vormarsch der Amerikaner bereits im „Stolberger Frontbogen“ bei Schevenhütte gestoppt. Generalmajor Lawton Collins mußte nun seine Strategie umstellen und bezog die Strecke Simmerath – Strauch – Schmidt mit in die Planung ein. Dadurch verlor Lammersdorf seine zentrale Bedeutung und statt dessen rückte Simmerath in den Mittelpunkt.5)
Das ca. drei Kilometer hinter Lammersdorf in Richtung Düren beginnende dichte Waldgebiet stellte für die amerikanischen Panzerverbände eine natürliche und fast undurchdringliche Barriere dar. Als die US-Truppen dennoch sowohl von Zweifall als auch von Lammersdorf auf die Dörfer Germeter und Hürtgen vorrückten, hatten sich dort die inzwischen verstärkten Deutschen auf die Angreifer vorbereitet.  Der „Hürtgenwald“
6) wurde für die im Waldkampf unerfahrenen Amerikaner zur tödlichen Falle. Es kam zu wochenlangen blutigen Stellungs- und Bunkerkämpfen. Tausende deutsche und amerikanische Soldaten fanden im unzugänglichen „Hürtgenwald“ den Tod.
Nach den Schlachten im Raum Germeter, Vossenack und Hürtgen folgten die Kämpfe um die Urft-, Kall- und Rurtalsperren, bei denen Ortschaften wie Schmidt, Strauch und Kesternich fast vollständig zerstört wurden.
Doch zurück zum „Lammersdorf-Korridor“. Nördlich, östlich und südlich von Lammersdorf hatten die Deutschen starke Barrieren in Form zahlreicher gut ausgestatteter Befestigungen errichtet. Insgesamt war die Landschaft mit ca. 60 Betonbunkern und Verteidigungsstellungen engmaschig bestückt. Von den Bunkern auf dem „Paustenbacher Berg/Höhe 554“ und dem „Harresberg/Höhe 480“ hatte man sowohl die Straße nach Rollesbroich als auch die R 399, die von Simmerath über Witzerath nach Lammersdorf führte, fest im Blick. Als am 14. September 1944 eine Kompanie des III. Bataillons/39. US-Infanterieregiment den Ortskern von Lammersdorf südlich umgehen und den Bereich Bruchgasse/Heppelag aufklären wollte, schlug ihr aus den in Nähe der Bergstraße gelegenen deutschen Stellungen heftiges Maschinengewehrfeuer entgegen. Der Kompanie blieb im Moment nur der Rückzug. Ein Versuch, die Höckerlinie in Höhe der Schmiede Jansen zu durchbrechen und von dort aus nach Rollesbroich vorzudringen, mußte wegen der starken Gegenwehr der Deutschen aufgegeben werden. Die in den folgenden Tagen stattfindenden Kämpfe nördlich, östlich und südlich von Lammersdorf wurden mit einer unvorstellbaren Härte geführt. Weder Bombenangriffe noch tagelanger Artilleriebeschuß auf die Bunker konnten die Deutschen zur Aufgabe zwingen. Auch als die Amerikaner Phosphorgranaten und benzingetränkte, brennende Lappen in die Lüftungsschächte der Bunker warfen, leisteten die deutschen Soldaten immer noch Widerstand. Erst als US-Bulldozer große Mengen Erdreich vor die Öffnungen kippten und die Bunkerinsassen zu ersticken drohten, kamen die Soldaten traumatisiert aus ihren Bunkern. In den Schützengräben und Stellungslöchern wurde oft „Mann gegen Mann“ gekämpft. Am 22.  September gelang es einer Kompanie des 39. US- Infanterieregiments, nach Jägerhaus vorzudringen. Erst am 13. Dezember 1944 konnte das 310. US-Infanterieregiment der 78. US-Infanteriedivision nach Rollesbroich durchstoßen und den Ort erobern.
7)
In den Wiesen und Wäldern um Lammersdorf fanden hunderte amerikanische und deutsche Soldaten den Tod.
7a)  Sie mußten aufeinander schießen, ohne daß sie sich jemals vorher begegnet waren.

Die ca. 300 in Lammersdorf eingeschlossenen Zivilisten befanden sich von Mitte September 1944 bis zum Februar 1945 in ständiger Lebensgefahr, denn sie erlebten die Kämpfe hautnah mit. Während der halbjährigen Anwesenheit der Amerikaner schlugen schätzungsweise 3.000 bis 5.000 Granaten und zahlreiche Bomben in Lammersdorf ein. Dabei wurden zehn Einwohner getötet (unter ihnen auch mehrere Kinder). Viele Personen erlitten schwerste Verletzungen und blieben in ihrem weiteren Leben stark beeinträchtigt. Kaum ein Haus blieb von den Granaten verschont. Überall klafften Löcher in den zum Teil noch mit Roggenstroh gedeckten Dächern, die rasch in Flammen aufgingen. Geplatzte Hauswände und herausgerissene Fenster, Türen und Fußböden waren in fast jedem Haus anzutreffen. Laut einer behördlich durchgeführten Bestandsaufnahme aus dem Jahre 1948 wurden in Lammersdorf 267 Häuser und Wohnungen komplett- oder teilzerstört, verwüstet und langfristig unbewohnbar gemacht. Was die Menschen in Lammersdorf in dieser Zeit erlebten und aushalten mußten, wird in diesem Buch in erschütternder Weise deutlich.
Im Frühjahr 2010 haben Arndt Schiffler aus Lammersdorf und ich eine „Inventur“ der z. Zt. sichtbaren Reste des Westwalls im Raum Roetgen und Lammersdorf vorgenommen. Diese Archivierung ist nicht vollständig und kann es auch nicht sein, da die Natur immer wieder Betonreste und Metallteile zum Vorschein bringt oder auch wieder verdeckt. Die Fotos der Westwall-Relikte sind im Anhang des Buches platziert. Aus technischen Gründen ist es leider nicht möglich, alle Aufnahmen hier vorzustellen.

Aus Gründen der Authentizität habe ich mich für die Beibehaltung eines militärischen Ausdrucksstils entschieden.
Die 1944 in Lammersdorf gültigen Straßennamen Adolf-Hitler-Straße, Hindenburg-Straße und Horst-Wessel-Straße sowie die früheren mundartlichen Flurnamen wurden im Textverlauf durch die heute gebräuchlichen Bezeichnungen ersetzt.  
Zivilpersonen, die einer vollen Namensnennung in diesem Buch nicht zustimmten, wurden mit  Pseudonymen belegt. Personen der Zeitgeschichte werden mit ihrem richtigen Namen genannt. Sollten trotz sorgfältigster Beachtung des Datenschutzgesetzes dennoch unerwünschte Rückschlüsse auf bestimmte Personen oder Sachverhalte gezogen werden können, liegen hierzu keinerlei unlautere Absichten meinerseits vor. Ein ähnlicher Vorbehalt wird für die abgebildeten Fotos erhoben. Viele Fotos sind bereits in Büchern oder anderen Publikationen verwandt worden und nicht immer läßt sich die tatsächliche Herkunft feststellen. Deshalb gebe ich grundsätzlich nur die Quellen an, auf die ich zurückgegriffen habe.

                                                           * * *

Abschließend noch einige persönlichen Anmerkungen: Das Buch „Höhe 554“ erhebt keinen Anspruch auf eine militärhistorische oder wissenschaftliche Arbeit. Meine Intentionen zu dieser Veröffentlichung liegen neben der Dokumentation historischer Ereignisse im Aufzeigen der inhumanen und grausamen Auswirkungen von Gewaltherrschaften. Durch die Bewußtmachung des Schrecklichen soll ein kleiner persönlicher Beitrag zur Friedenserhaltung geleistet werden. Dieser Friede, an den wir uns seit nunmehr 65 Jahren gewöhnt haben, darf nie mehr durch menschenverachtende Systeme aufs Spiel gesetzt werden. Das Buch „Höhe 554“  soll also keinesfalls der Verherrlichung von Gewalt oder der Glorifizierung kriegerischer Heldentaten Vorschub leisten. Angesichts der expandierenden Internet-Angebote von Kriegsspielen und dem Verkauf von Kriegsspielzeugen sowie der wachsenden Zahl von „Pseudo-Soldaten“, die in nachgeschneiderten Uniformen oder in kompletter Kampfausrüstung durch die Eifel- und Ardennenwälder robben, möchte ich besonders den jungen Menschen sagen:

„Krieg ist weder cool noch unterhaltsam. Krieg bedeutet immer Sterben, Leiden, Schmerzen, Trauer, Elend, Trennung, Not, Verzweiflung und Existenzverlust“.

Auf eine gemeinsame friedliche Zukunft,
H. Jürgen Siebertz

 

1) Die meisten Offiziere und Unteroffiziere des Bataillons, die an den Gefechten teilnahmen, sind  bei den Kämpfen gefallen. (Quelle: US-Nationalarchiv)
1a) Die Tagebuchaufzeichnungen von Andreas Lauscher werden im Buch „Rette sich - wer kann“ in chronologischer Reihenfolge wiedergegeben
2) Auch die Aufzeichnungen von Oberst Hasso Neitzel „Die 89. Infanterie-Division im Westwallabschnitt Monschau“, erstellt in Treysa im Februar 1948,  geben über die Vorgänge im „Lammersdorf-Korridor“ keine genaueren Aufschlüsse  
3) Dieser offene, für Panzerverbände als günstig angesehene Durchgang wurde später vom amerikanischen Chef-Historiker Charles B. MacDonald als „Stolberg-Korridor“ bezeichnet. (vgl. Charles B. MacDonald: „The Siegfried Line Campaign, Office of the Chief of Military History, Department oft he Army, Washington D.C., 1963)
4) vgl. Charles B. MacDonald: The Operations of VII  Corps in September 1944, Battle of the Lammersdorf-Corridor, S. 34 ff,  Office of the Chief of  Military History, Department of the Army, Washington 25, D. C., March 1953 - vgl. Lucian Heichler: The Germans Opposite VII Corps in September 1944, Seite 87 ff, Office of the Chief of Military History, Wahington D.C., December 1952 vgl. Edgar Christoffel: Krieg am Westwall 1944/45, S. 100 ff, Trier 1989 vgl. Edward G. Miller: A dark and bloody Ground, Texas A & M University Military History, 1994    
5) MacDonald verwandte konsequenterweise ab diesem Zetpunkt in seinen Ausführungen nicht mehr den Begriff „Lammersdorf-Korridor“, sondern sprach nur noch vom „Monschau-Korridor“. Der „Stolberg-Korridor“ behielt für die amerikanische Armeeführung allerdings immer Vorrang vor dem „Monschau-Korridor“.
6) Die Bezeichnung  „Hurtgen-Forest“ wurde durch die Amerikaner geprägt. „Hurt“ ist in englischer Sprache das Wort für „Schmerz“. Der Name „Hürtgenwald“ wurde später von den Kommunen für die Zusammenfassung mehrerer Dörfer in eine Samtgemeinde verwandt.     
7) Das in Lammersdorf stationierte 39. US-Infanterieregiment wurde später in den Raum Germeter überstellt und kämpfte weiter im „Hürtgenwald“.
7a) Der Lammersdorfer Alfred Läufer berichtete, daß er und seine Kameraden von der freiwilligen Feuerwehr noch im Herbst 1945 gefallene Soldaten, die oft in Gräben oder Schützenlöchern provisorisch beerdigt wurden, geborgen haben.

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